Eigenschaften und Vorteile einer Hochvolttherapie

 

Der Hochvoltstrom ist im Vergleich mit allen anderen in der physikalischen Therapie verwendeten Strömen ein Spezialfall, bei welchem die reizwirksamen Impulse extrem kurz sind. Als Folge davon kann die Intensität dieser Impulse sehr hoch gewählt werden.

Das Strom-Zeit-Diagramm eines einzelnen Hochvoltimpulses zeigt, dass ein Impuls von 70 millionstel Sekunden mit einer Amplitude von bis zu 500 Volt erzeugt wird.

                                           

Durch diesen physikalischen Aufbau des Hochvoltstromes ergeben sich vier wesentliche Eigenschaften:

 

  • Die stark unterschiedliche Amplitude von positivem und negativem Stromfluss bewirkt eine Polarisation, da nur der hohe Impuls für die Zellen reizwirksam ist. 

  • Durch die Flächengleichheit beider Stromrichtungen (+ und -) gleichen sich Ladungen aus und es fließt kein Gleichstrom.

  • Der steile Anstieg und die kurze Dauer ist gleichzusetzen mit der Erzeugung eines breiten Frequenzspektrums (Spektralanalyse).

  • Die hohe Spannung sichert den Stromfluss in weiten Grenzen unabhängig von dem Widerstand zwischen den Elektroden.

       

Bedeutung dieser Punkte für die physikalische Therapie:

 

1. Dadurch wird ein Patient bei Behandlung mit Hochvoltströmen im zeitlichen Mittel mit einer ca.10-fach geringeren elektrischen Energie beaufschlagt wie mit allen anderen bekannten Reizströmen.  Die von anderen Stromarten bekannte analgetische Wirkung von polarisierenden Gleichstrom-Anteilen, wird bei Hochvoltströmen durch deren höhere Stromstärke und damit größeren Eindringtiefe weit übertroffen. Der wesentliche Vorteil ist, dass eine Polarisierung möglich ist ohne die an sich unerwünschten Nebenwirkungen eines Gleichstromes. 

 

2.  Diesen Effekt nutzt man außerdem in der Schmerztherapie (T.E.N.S.), da hyperpolarisierte Zellen einen anderen Reiz wie z.B. von einem starken Schmerz nicht mehr weiterleiten. Es wird somit eine Nervenblockade erzeugt und man spürt nur noch den angenehmeren Strom. Wenn man andererseits eine Blockade bestimmter Nerven des vegetativen Nervensystems erzeugt, wird die Durchblutung erhöht und in der Folge mehr Sauerstoff an die Zellen geführt. Auch diese Eigenschaft wird in Verbindung mit den membraneigenen Vorgängen zur Erhöhung des Zellstoffwechsels genutzt.

 

Es sind im Wesentlichen folgende Frequenzbereiche mit ihren typischen Therapiemöglichkeiten zu differenzieren:

1   - 10  Hz     Einzelkontraktionen z.B. zur Aktivierung der Muskel-Venenpumpe oder zur Muskellockerung. Wirkt detonisierend.

10 - 25  Hz     Fibrilläre Zuckungen. Wirkt noch detonisierend.

30 - 50  Hz     Tonisierend zur Behandlung schlaffer, überdehnter Muskulatur und funktionelle Muskelstimulation.

80 - 100Hz     Schmerztherapie. Durchblutungsförderung. Detonisierung spastischer, hypertoner Muskulatur.

100-150Hz     Analgetische Wirkung. T.E.N.S. Elektroakupunktur. Diagnostik.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass mit Hochvolt sehr effektiv Elektrotherapie durchgeführt werden kann, da Ströme, welche ursprünglich mehreren Geräteklassen angehörten in idealer Weise gleichzeitig appliziert werden.

 

3. Da der Hochvoltstrom keinen Gleichstromanteil enthält, ergeben sich wesentliche Vorteile in der Anwendung. Es kann jederzeit und ohne jede Nebenwirkung über metallischen Implantaten gearbeitet werden, was bei vielen anderen Stromarten kontraindiziert ist. Es entsteht keine Säure/Laugenbildung unter der Elektrode. Daher kann es auch bei Langzeit-Schmerztherapie nicht zu einer Verätzung der Haut  kommen, wie es durch Gleichstrom-Anteile bei anderen Stromarten schon nach Minuten vorkommen kann. Bei Gleichstrom- oder Diadynamischen Geräten ist daher ein sehr feuchter Schwamm unter der Elektrode Voraussetzung, die Säure zu binden. Bei Hochvolt könnte sogar mit blanker Elektrode gearbeitet werden. Ein weiterer Vorteil der ausbleibenden Elektrolyse ist, dass es niemals zu einer Oxidation und damit zu hochohmigen und somit schlecht leitenden Elektroden kommen kann, weshalb sich auch die Reinigung von hochohmigen Elektrodenblechen oder der häufige Ersatz von Silikonelektroden erübrigt.

 

4. Die Eigenschaften des Hochvoltstromes vereinfachen ganz wesentlich die Elektrodenanlage. Durch die hohe Spannung und auch wegen dem steilen Anstieg dieser Spannung während dem Impuls, wird der Hautwiderstand teilweise kapazitiv und damit verlustloser überbrückt. Daher genügt ein dünnerer feuchter Schwamm oder etwas Ultraschall-Gel unter der Elektrode. So ist es auch möglich, auf Schleimhaut oder offenen Wunden (z.B. ulcus cruris, Verbrennungen) zu arbeiten, die nur mit einem feuchten Tuch abzudecken sind.

 

 

 

 

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Maximilian Sokol 2015